Behinderung
Atomix99
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Erfahrungen mit anthroposophischen Einrichtungen Also bin gerade im letzten Ausbildungsjahr zur Heilerziehungspflegerin und mache mir gerade viele Gedanken wie es danach weitergehen möchte. So möchte ich zum Beispiel nach der Ausbildung die Einrichtung wechseln um neue Erfahrungen sammeln zu können. bei meiner Suche im Internet habe ich gesehen dass es auch viele anthroposophischen Einrichtungen in Deutschland gibt. Wer arbeitet in einer solchen Einrichtung. Was sind eure Aufgaben, und was unterscheidet euch von anderen Einrichtungen. Die Lehrer in meiner Schule stehem dem eher skeptisch gegenüber und sind daher keine wirkliche Hilfe. Wird bei euch wirklich mehr Wert auf die Gemeinschaft gelegt ? Und wie ist der Tagesablauf und die Freizeit eurer Klienten ???

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(3) Antworten
Muress

Ich habe fast 15 Jahre zunächst im Waldorfkindergarten, später als Förderlehrer in Waldorfeinrichtungen gearbeitet. Alles, was ich in den Antworten gelesen habe, stimmt ín Teilen, klingt allerdings für mich etwas zu pauschal. Es gibt durchaus sehr gute Schulen mit vernünftigen Leuten, es ist nicht nur ein Spinnerverein. Wer nun so gar keine Vorkenntnisse hat, dem würde ich auf keinen Fall Literatur Rudolf Steiners empfehlen, denn die ist sehr umfangreich und extrem schwer zu lesen. Einfach mal auf www.Waldorfschule.info.de klicken und eine Vorabinformation abholen. Unbedingt würde ich ein Praktikum machen, ehe ich mich entscheide. Dort kannst Du einfach selbst spüren, ob Du Dich mit der Art und Weise anfreunden kannst. Nimm alle Informationen zusammen und gleich sie mit Deinem eigenen Bild ab. Mich würde sehr interessieren, wie es bei Dir weitergeht.

everast

Ich finde den größten Teil der Theorien von Steiner sehr interessant und auch gut. Wohlgemerkt die Theorie. In der Praxis habe ich immer wieder die Erfahrung gemacht, dass in vielen Einrichtungen dieser Teorie stur hinterhergerannt wird. Es wird deshalb nicht mehr ausreichend auf das Kind geschaut und nicht mehr in anderen Methoden und Theorien geschaut ob man dem Kind anders besser helfen kann. Und deshalb würde ich nicht in so einer Einrichtung arbeiten. Sich mit den Ideen auseinander zu setzen und dies auch neben anderen Ansätzen in die Arbeit einfließen zu lassen finde ich dagegen gut.

OXKeineAhnungXO

Zwar arbeite ich nicht in einer solchen Einrichtung, aber hab´ "von außen" hin und wieder Einblick. Und ich denke, dass man sich vorab schon sehr mit der Theorie Steiners auseinandergesetzt haben muss; und zwar am besten noch: sehr kritisch. Denn wenn man sich nicht wirklich identifizieren kann mit der Anschauung, die hier vertreten wird, wird man wohl schnell an seine persönliche Grenze kommen, was das Gutheißen so mancher Praktiken angeht. In meinen Augen nämlich ist es eher ein Trugschluss, dass hier ja ach-so-viel Wert auf die Individualität des Menschen gelegt wird. Ganz im Gegenteil - die Umsetzung dessen, was die Theorie vorgibt, scheint mir sehr stringent und oft genug am Menschen (bzw. am Kind) "vorbei". Beispielsweise die Einteilung in die klassischen "vier Temperamente" - kann am Ende etwas sein, das nicht als Anhaltspunkt dient, sondern regelrecht als Festlegung. Und jegliches Tun des Kindes, was dem zuwider geht, wird infolge dessen unter Umständen unterdrückt, "korrigiert". Da wird dann ein vom Kind gemaltes und stolz vorgezeigtes Bild auch schon gerne mal rigoros als "falsch!" bezeichnet. Alles so schon gesehen... Darüber hinaus ist meine persönliche Erfahrung, dass im Waldorfkindergarten (nur den kenne ich, wohlbemerkt!) der Umgang mit "besonderen Kindern" (sprich: Kindern mit gesondertem Förderbedarf) ähnlich problematisch ist, in meinen Augen. Mein Tipp also wäre: Prüfe sehr genau, auf was du dich einlässt, solltest du dich für eine solche Einrichtung entscheiden...

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