Ausland
Ifok1
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Gibt es eigentlich eine Sprache, in der das Verb "sein" nicht unregelmäßig ist? Die Sprachwissenschaftler und alle anderen, die konstruktiv beitragen können, sind gefragt: Gibt es eigentlich eine Sprache, in der das Verb "sein" nicht unregelmäßig ist? Und wenn ja, welche? Mir wäre nämlich irgendwie keine Sprache bekannt, in der "sein"(sinngemäß übersetzt natürlich ;-) ) regelmäßig konjugiert wird. Woran liegt das, dass "sein" fast immer(oder immer? - Das ist hier die Frage!) unregelmäßig ist? Gibt es eine Sprache, in der es nicht mal eine sinngemäße Übersetzung für sein gibt? Das sind die Fragen, die mich im Moment so beschäftigen.. . Eine gute Nacht noch, Punkrockarr!

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(13) Antworten
kiimiiiiii

Das Verb sein ist insofern ein besonderer Fall, als es in vielen indogerm. Sprachen aus Formen mehrerer Verben zusammengefügt ist, die selbständig nicht mehr existieren. Dieser Vorgang der Suppletion fand aber unabhängig voneinander erst innerhalb der Einzelsprachen statt, so dass man eine ganz unterschiedliche Verteilung der Stämme findet. Einen gemeinsamen Ursprung haben jeweils die folgenden Formen: Dt. sein, ist, sind, seid, sei u. ä. Engl. am, art (2. Pers. Sing., nur noch poet.), is, are. Lat. esse („sein“), sum („bin“), est („ist“), sunt („sind“) und alle anderen Formen des Präs., Imperf. und Fut. Altgr. εἶναι (eînai – „sein“), εἰμί (eimí –„bin“), εἶ (ei – „bist“), ἐστί (estí – „ist“) und alle anderen Formen des Präs., Imperf. und Fut. Russ. есть (jest – „ist“). Sanskr. asmi („bin“), asti („ist“), santi („sind“) sowie alle anderen Formen. Dt. bin, bist. Engl. to be, be!, been. Lat. fui („bin gewesen“) und alle anderen vom Perfektstamm gebildeten Formen. Russ. быть (byt – „sein“), буду (budu – „ich werde“) usw. Im Altgr. und im Sanskr. gibt es die eigenständigen Verben φύειν (phyein – „erzeugen, wachsen lassen, entstehen lassen“ – vgl. „Physik, Physiologie“) bzw. bhu- („sein, werden, entstehen, geschehen“). Dt. war, gewesen usw. Engl. was, were. Im Sanskr. gibt es das Verb vas- („wohnen, verweilen, leben“). Auch die dt. Wörter Wesen, Unwesen, Anwesen, anwesend, währen etc. sind verwandt. Zur ersten Frage: Das Sanskrit hat also zwei Verben mit der Bedeutung sein, von denen das eine (bhu-, bhuvāmi – „ich bin“) vollkommen regelmäßig konjugiert wird. . Das Verb sein wird verschieden gebraucht: als Hilfsverb (z.B. Er ist gegangen.) als Kopula, d.h. als ein Wort welches eine Verbindung zwischen dem Subjekt und der über das Subjekt gemachten Aussage herstellt (z.B. Die Rose ist rot. Zwei mal zwei ist vier.) als Vollverb im Sinne von existieren (z.B. In diesem Bach sind viele Fische. Ich denke, also bin ich.) Zur dritten Frage: Als Hilfsverb kommt es natürlich nicht vor in Sprachen, die keine zusammengesetzten Verbformen bilden, z.B. Altgriechisch od. Sanskrit. Die Kopula wird in verschiedenen Sprachen nicht ausgedrückt, unter den indogerm. Sprachen etwa im Russischen: Что это? (Schto eto) – „Was (ergänze: ist) das?“ Eine Möglichkeit, die Existenz von etwas auszudrücken, wird sich aber wohl in jeder Sprache finden lassen. . (Auf die Zweite Frage hat ja GrobGeschaetzt schon eine schöne Antwort gegeben.)

Fluschy

Im Schwedischen: Präsens: Jag är, du är, han är, vi är, ni är, de är. Vergangenheit: Jag var, du var, han var, vi var, ni var, de var. Zukunft: Jag ska vara, du ska vara, han ska vara, vi ska vara, ni ska vara, de ska vara.

Jule6804

Bin zwar kein Fachmann, aber vom Sprachgefühl her dürften, so vorhanden, die Verben "haben" und "sein" die essentiellsten Verben jeder Sprache sein; deshalb nehme ich an, daß sie sich auch zuerst herausgebildet haben. Den Prozeß der Sprachregulierung, also einer Konsensfindung zwecks allgemeiner Verständlichkeit, würde ich zeitlich viel später ansetzen, etwa zeitgleich mit der Herausbildung der schriftlichen Fixierung der gesprochenen Sprache. Deshalb könnte ich mir gut vorstellen, daß so ursprüngliche Worte diesen Prozeß unverändert überstanden haben: es war einfacher, ihnen die Unregelmäßigkeit zuzugestehen, als ihre Regeln zur Regelmäßigkeit zu erklären.

thisgirl2323

Es gibt agglutinierende Sprachen wie z.B. Japanisch oder Türkisch, die keine Flexion (also Beugung der Verben oder Hauptwörter)haben, sondern "Marker" für Zeit, Ort, Objekt etc. Da gibt es so etwas wie "unregelmäßige Beugung" nicht. Unsere indoeuropäischen Sprachen sind analytisch und da ist das wichtigste Verb "sein" normalerweise unregelmäßig (selbst in einer flexionsarmen Sprache wie Englisch).

thedesperate97

Mit etwas Konstruktivem kann ich dir leider nicht dienen, ich versuche es trotzdem mal: Dass das Verb "sein" (als Vollverb betrachtet) in wohl allen Sprachen, unregelmäßig ist (oder aber gar nicht konjugiert wird) liegt meiner Meinung als Laie nach daran, dass man es so oft verwendet. Eine Sprache, die niemand spricht, verändert sich logischerweise auch nicht - warum sollte es nicht bei einzelnen Wörtern auch so sein? "Sein" nutzt sich einfach ab :-) Jetzt wird es ein wenig konstruktiver: Im Arabischen gibt es im Präsens gar kein "sein". Also da zumindest schon mal nicht unregelmäßig. Im Esperanto ist es selbstversändlich regelmäßig- wie sollte es auch anders sein? Mi estas, vi estas, li estas.... Im Chinesischen und Indonesischen wird meines Wissens nach gar nicht konjugiert. Also auch keine Unregelmäßigkeiten. Im Schwedischen gibt es mittlerweile wohl auch keine Konjugation mehr (höchstens noch Tempusangabe, das weiß ich nicht genau), ergo dürfte auch "sein" keine Unregelmäßigkeiten mehr aufweisen. Interessant wäre jetzt, ob das Verb "sein" irgendwo ganz normal konjugiert wird...

Edge83

Die ganzen alten Verben sind wohl in jeder (zumindest indoeuropäischen) Sprache unregelmäßig. "Haben" und "sein" sind nur zwei Beispiele. Erst mit der Entwicklung der Sprache setzte ein Trend zur Vereinfachung ("Sprachökonomie") ein. Die neuen Verben wurden regelmäßig. Manchmal entdeckt man heute auch solche Sprachwandel, wenn es bspw. zwei Verbformen gibt. Seltene Wörter verändern sich am schnellsten, aber sein und haben gehören wohl zu den häufigsten Verben, daher verändern die sich wohl kaum und bleiben unregelmäßig: http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/0,1518,510913,00.html

diloshh23

Ich kenne keine indo-europäische Sprache, in der das Verb "sein" NICHT unregelmäßig ist. So war es ja auch schon im Lateinischen und - soviel ich weiß - auch im Altgriechischen.

Stevie

> Gibt es eine Sprache, in der es nicht mal eine sinngemäße Übersetzung für sein gibt? Also im Türkischen gibt es meines Wissens kein eigenständiges Wort "sein", sondern es kommt eine Silbe an das Wort, das man ist. Profesör => Er ist Professor. Profesörüm => Ich bin Professor. Profesörsün => Du bist Professor.

SonGoku26

Ich würde sagen, bei den asiatischen Sprachen Japanisch, Koreanisch und Chinesisch könnte man es "regelmäßig" nennen, das liegt aber daran, dass es überhaupt keine Konjugation in dem Sinne gibt! Ist also nicht mit dem uns bekannten "sein" aus den romanischen Sprachen zu vergleichen.

Izzie13

tu bi Ohr not tu bi is hier die Frage die vor Dir sogar schon Schekspier gestellt hat. Da gibt das in Afrika dermasen viele einzelne Sprachen verschieden manchmal von Kral zu Kral - garantiert können die Dir bieten was wir hier nich zu bieten haben.

JojoSS

Im Chinesischen bleibt die Kopula, sofern sie denn überhaupt vorhanden ist, immer 是.

Riesenbuhei

Esperanto (Estas, estis, estos, esti, estu)

Hugo887

"sein oder nicht sein" ..... das ist hier die Frage ;-))

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